Was ist eine GAEB-Datei und wie nutzt Du sie im Handwerk

Eine GAEB-Datei ist ein standardisiertes digitales Format für den Austausch von Leistungsverzeichnissen, Angeboten und Abrechnungsdaten im deutschen Bauwesen. Die Entwicklung begann 1966, die ersten eingesetzten Austauschformate folgten ab 1985, heute ist GAEB DA XML 3.3 der maßgebliche Referenzstand.
Der Architekt schickt Dir eine Ausschreibung für ein Mehrfamilienhaus. Im Anhang liegt eine Datei mit einer Endung, die Dir erst einmal wenig sagt. Du öffnest sie und siehst kryptische Zeichen oder gar nichts Brauchbares. Genau hier beginnt die praktische Frage: Was ist eine GAEB-Datei, und wie wird daraus ein Angebot, das Du wirklich abgeben kannst?
Inhaltsverzeichnis
- Was eine GAEB-Datei ist und warum Du sie bekommst
- Die wichtigsten GAEB-Formate und Dateiendungen
- So ist ein Leistungsverzeichnis in der GAEB-Datei aufgebaut
- GAEB-Datei importieren und Angebot erstellen
- Typische Fehler beim Umgang mit GAEB-Dateien
- GAEB-Verarbeitung mit craftivo im Handwerksalltag
- Häufige Fragen zu GAEB-Dateien
Was eine GAEB-Datei ist und warum Du sie bekommst
Stell Dir vor, Du bekommst per E-Mail das Leistungsverzeichnis für die Malerarbeiten in einer neuen Kita. Statt jede Position aus einem PDF abzutippen, liest Deine AVA- oder Handwerkersoftware die Datei ein. Danach stehen Positionen, Mengen, Einheiten und Beschreibung bereits im Angebot.
GAEB steht für „Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen“. Der Ausschuss entstand 1966 im Umfeld des Landes Nordrhein-Westfalen. Als wichtiger Ausgangspunkt gilt das Projekt „Neubau der Ruhruniversität Bochum“. Seitdem entwickelte sich GAEB zu einer Standardisierungsinstanz für den elektronischen Austausch von Baudaten, wie die Dokumentation zur Entwicklung des GAEB beschreibt.

Was in der Datei steckt
Eine GAEB-Datei ist kein normales Dokument wie Word oder PDF. Sie enthält strukturierte Baudaten, zum Beispiel:
- Positionsnummern, damit jede Leistung eindeutig bleibt.
- Kurz- und Langtexte, etwa für Wandflächen, Beschichtungen oder Montagearbeiten.
- Mengen und Einheiten, zum Beispiel Quadratmeter, Meter, Stück oder pauschale Leistungen.
- Austauschinformationen, damit das Programm erkennt, ob es sich um eine Ausschreibung, ein Angebot oder einen Auftrag handelt.
Die Struktur ist für Maschinen gedacht. Ein GAEB-Viewer kann sie lesbar darstellen. Eine Kalkulationssoftware kann die Positionen übernehmen, mit Deinen Material- und Lohnansätzen verbinden und daraus ein bepreistes Angebot erzeugen.
Der Vorteil liegt im Alltag auf der Hand: Du überträgst die Positionen nicht händisch. Das senkt das Risiko, dass bei einem Angebot fürs Mehrfamilienhaus eine Menge fehlt, eine Einheit vertauscht wird oder ein langer Positionstext falsch kopiert wird. GAEB-Dateien unterstützen damit den elektronischen Austausch entlang von Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung, wie der GAEB den Datenaustausch offiziell beschreibt.
Praktische Regel: Öffne eine GAEB-Datei nicht einfach in Word oder Excel und speichere sie danach wieder ab. Für die Bearbeitung brauchst Du eine Software, die die GAEB-Struktur versteht.
Die wichtigsten GAEB-Formate und Dateiendungen
Die Dateiendung gibt Dir einen ersten Hinweis auf Formatgeneration und Austauschphase. Für den Büroalltag reicht es, die häufigsten Endungen sicher zu erkennen.
Ältere Formate begegnen Dir als GAEB 90 oder GAEB DA 2000. Für GAEB 90 stehen beispielsweise .D83, für GAEB DA 2000 .P83. Bei XML-Dateien findest Du Endungen wie .X83. Die offizielle FAQ erklärt, dass GAEB DA XML mit .Xnn arbeitet. Das X steht für XML, nn für die jeweilige Austauschphase, während .xsd-Dateien die Strukturregeln beschreiben, wie in der GAEB-Fachdokumentation zu DA XML festgelegt.
| Dateiendung | GAEB-Version | Phasennummer | Inhalt / Zweck |
|---|---|---|---|
.D81 |
GAEB 90 | 81 | Leistungsbeschreibung oder Leistungsverzeichnis |
.D83 |
GAEB 90 | 83 | Angebotsaufforderung |
.D84 |
GAEB 90 | 84 | Angebotsabgabe |
.D85 |
GAEB 90 | 85 | Neben- oder Änderungsangebot |
.P81 |
GAEB DA 2000 | 81 | Leistungsbeschreibung |
.P83 |
GAEB DA 2000 | 83 | Angebotsaufforderung |
.P84 |
GAEB DA 2000 | 84 | Angebotsabgabe |
.X81 |
GAEB DA XML | 81 | Leistungsbeschreibung |
.X83 |
GAEB DA XML | 83 | Angebotsaufforderung |
.X84 |
GAEB DA XML | 84 | Angebotsabgabe |
.X86 |
GAEB DA XML | 86 | Auftragserteilung |
.X89 |
GAEB DA XML | 89 | Rechnung oder Abrechnung |
Für Dich als Handwerker sind 81, 83, 84 und 89 besonders wichtig. Eine .X83 oder .D83 enthält normalerweise die Aufforderung, Preise einzutragen. Deine kalkulierte Rückgabe erfolgt typischerweise als .X84 oder .D84. Die .X89 kann Abrechnungsdaten enthalten.
Der aktuelle Referenzstand ist GAEB DA XML 3.3, dessen überarbeitete Stände 2021-05 und 2023-01 freigegeben wurden, wie die Versionsübersicht des GAEB zeigt. Alte Dateien sind deshalb nicht automatisch falsch. Entscheidend ist, ob Deine Software die jeweilige Version lesen und korrekt ausgeben kann.
So ist ein Leistungsverzeichnis in der GAEB-Datei aufgebaut
Ein Leistungsverzeichnis funktioniert wie ein sauber sortierter Projektordner. Oben steht das Bauvorhaben oder Gewerk. Darunter folgen Titel und Leistungsgruppen. Erst danach kommen die einzelnen Positionen, die Du kalkulierst.

Bei einem Trockenbauprojekt kann die Struktur beispielsweise so aussehen:
- Projekt: Ausbau eines Mehrfamilienhauses mit Objektadresse.
- Gewerk: Trockenbauarbeiten.
- Titel: Nichttragende Innenwände.
- Position: Metallständerwand mit definierter Beplankung.
- Datenfelder: Positionsnummer, Kurztext, Langtext, Menge, Einheit und gegebenenfalls technische Hinweise.
Die Position könnte eine Menge in Quadratmetern enthalten. Deine Software liest diese Menge zusammen mit dem Einheitstext ein. Du hinterlegst anschließend Deinen Preis pro Einheit, Materialansätze und benötigte Lohnstunden. Je nach Programm kannst Du zusätzlich eigene Kalkulationsregeln, Zuschläge oder Textbausteine verwenden.
Wichtig sind auch Positionen, die nicht wie normale Hauptpositionen behandelt werden:
- Bedarfspositionen werden nur ausgeführt, wenn der Auftraggeber sie tatsächlich abruft.
- Alternativpositionen stehen für eine andere technische oder preisliche Lösung.
- Zuschlagspositionen hängen häufig von einer anderen Position oder einer definierten Grundlage ab.
- Nebenleistungen können im Positionstext oder in ergänzenden Angaben enthalten sein.
Prüfe diese Einträge vor der Preisabgabe. Ein niedriger Gesamtpreis hilft Dir nicht, wenn Du eine Bedarfsposition versehentlich fest einkalkulierst oder eine Nebenleistung übersiehst. Für die Verbindung von Mengen, Einheitspreisen und eigenen Ansätzen ist auch eine klare Kalkulationsvorlage für Handwerksbetriebe hilfreich.
GAEB-Datei importieren und Angebot erstellen
Der sauberste Ablauf beginnt nicht bei der Kalkulation, sondern bei der Kontrolle der Datei. So gehst Du vor, wenn der Architekt oder Generalunternehmer Dir eine Ausschreibung schickt.
Datei übernehmen und Phase prüfen
Datei speichern
Lade die Datei aus dem E-Mail-Anhang oder Vergabeportal herunter. Speichere sie im Projektordner, zum Beispiel unter „Mehrfamilienhaus Musterstraße“.Endung prüfen
Eine.X83oder.D83deutet auf eine Angebotsaufforderung hin. Öffne nicht irgendeine Datei aus dem Download-Ordner, sondern prüfe, ob Projektname und Gewerk stimmen.Import starten
Wähle in Deiner Handwerkersoftware den GAEB-Import und öffne die Datei. Das Programm liest die Hierarchie, Positionstexte, Einheiten und Mengen ein.Vollständigkeit kontrollieren
Vergleiche die Positionsanzahl mit dem Anschreiben oder der Ausschreibung. Öffne stichprobenartig lange Texte und achte auf Bedarfs- und Alternativpositionen.Kalkulation hinterlegen
Trage Materialkosten, Lohnstunden, Geräte und Zuschläge ein. Für die Malerarbeiten im Treppenhaus können das etwa Wandflächen, Grundierung, Beschichtung und Schutzmaßnahmen sein.
Preise eintragen und Rückgabe erzeugen
Arbeite Position für Position. Übernimm nicht blind alte Preise, wenn sich Materialkosten, Lohnansätze oder Ausführungsbedingungen geändert haben. Bei einem SHK-Angebot prüfst Du zusätzlich, ob Armaturen, Rohrleitungen, Dämmung und Nebenarbeiten getrennt ausgeschrieben wurden.
Der Zeitgewinn entsteht vor allem beim Einlesen. Eine GAEB-Datei übernimmt die Positionen direkt. Ein PDF musst Du dagegen meist manuell prüfen und übertragen. Wie viele Minuten Du für ein konkretes Leistungsverzeichnis brauchst, hängt von Umfang, Kalkulation und Software ab. Eine pauschale Zeitangabe wäre unseriös.
Vor dem Export: Prüfe Einheitspreise, Gesamtpreise, Nachlässe, Zuschläge und die Summe. Erst danach erzeugst Du die Angebotsdatei.
Nach der Kalkulation exportierst Du das Angebot in der passenden Phase. Bei GAEB DA XML ist das typischerweise .X84. Bei älteren Formaten kann die Rückgabe als .D84 oder .P84 verlangt werden. Maßgeblich bleibt die Vorgabe des Auftraggebers.
Für die technische Übergabe zwischen Ausschreibung, Kalkulation und Angebot lohnt ein Blick auf eine GAEB-Schnittstelle für Handwerkersoftware. Schick zusätzlich nur dann ein PDF, wenn der Auftraggeber es verlangt. Die GAEB-Datei bleibt die strukturierte Angebotsabgabe.
Typische Fehler beim Umgang mit GAEB-Dateien
GAEB ist ein Standard, aber keine Datei lässt sich automatisch mit jedem Programm öffnen. Die häufigsten Probleme entstehen nicht auf der Baustelle, sondern beim falschen Import.
Die häufigsten Stolperstellen
Falsche Version
Deine Software unterstützt vielleicht GAEB DA XML 3.3, aber die Datei liegt in einem älteren Format vor. Lösung: Importfilter prüfen, Update installieren oder den Absender um eine kompatible Ausgabe bitten.Dateiendung umbenannt
Aus.D83wird nicht durch Umbenennen eine.X83. Die Endung beschreibt nicht nur den Namen, sondern hängt mit der internen Struktur zusammen. Lösung: Datei im Original lassen und korrekt konvertieren.Umlaute oder lange Texte fehlen
Falsch interpretierte Zeichenkodierungen können Texte beschädigen. Lösung: Datei mit einem GAEB-fähigen Viewer prüfen und den Absender um einen erneuten Export bitten.Austauschphase verwechselt
Eine Angebotsabgabe ist etwas anderes als eine Angebotsaufforderung. Importierst Du die falsche Phase, fehlen Preise oder die Software behandelt die Datei falsch. Lösung: Vor dem Import Phase und Inhalt vergleichen.Bedarfspositionen übersehen
Eventualpositionen dürfen nicht automatisch wie beauftragte Hauptleistungen behandelt werden. Lösung: Positionstypen im Import markieren und separat kalkulieren.
Die offiziellen FAQ zum GAEB-Datenaustausch nennen unterschiedliche Phasen und Dateivarianten wie X81 bis X86 sowie X31 und X89. Außerhalb des deutschen Bau- und Vergabeumfelds ist GAEB zudem deutlich weniger verbreitet. Bei grenzüberschreitenden Projekten brauchst Du deshalb oft eine zusätzliche Abstimmung mit Planer und Softwareanbieter.
GAEB-Verarbeitung mit craftivo im Handwerksalltag
Für einen kleinen Betrieb zählt nicht, jede Formatregel auswendig zu kennen. Entscheidend ist, dass das Leistungsverzeichnis im richtigen Projekt landet und Deine Mannschaft mit den kalkulierten Daten weiterarbeiten kann.
Mit dem GAEB-Import in der Angebotssoftware übernimmst Du Positionen aus einer Ausschreibung in den Angebotsprozess. Das ist für .X83 und .D83 relevant, wenn ein Architekt ein Leistungsverzeichnis schickt und Du daraus ein kalkuliertes Angebot erstellen willst.
Die Software verbindet Angebotsdaten mit hinterlegten Kalkulationssätzen, Textbausteinen und Stammdaten. Dadurch musst Du wiederkehrende Leistungen nicht jedes Mal neu formulieren. Du prüfst die Vorschläge, passt Mengen oder Preise an und erzeugst das fertige Angebot für den Auftraggeber.
Für einen Malerbetrieb kann das ein Ausschreibungspaket für mehrere Wohnungen sein. Für einen Elektrobetrieb geht es vielleicht um Leitungen, Schalter und Montagearbeiten. Nach der Angebotsphase bleiben Projekt, Objektadresse, Zeiten, Fotos und Nachweise im gleichen Arbeitsstand. Das reduziert Rückfragen zwischen Büro und Baustelle.
Wichtig bleibt Deine Kontrolle. Eine Software kann Daten schneller einlesen, aber sie ersetzt nicht die Prüfung von Ausführungsbedingungen, Mengen und Positionstexten.
Häufige Fragen zu GAEB-Dateien
Kann ich eine GAEB-Datei mit Excel oder Word öffnen?
Du kannst die Datei technisch mit einem Texteditor öffnen, aber die Darstellung hilft Dir kaum. Excel oder Word verstehen die GAEB-Struktur nicht zuverlässig und können sie beim Speichern beschädigen. Nutze einen GAEB-Viewer zum Prüfen und eine GAEB-fähige Kalkulationssoftware zum Bearbeiten.
Was mache ich, wenn der Import fehlschlägt?
Prüfe zuerst Dateiendung, Austauschphase und Version. Öffne die Datei in einem Viewer, speichere sie nicht um und bitte den Absender bei Bedarf um einen neuen Export in einem von Deiner Software unterstützten Format.
Welche GAEB-Version ist heute Standard?
Der maßgebliche aktuelle Referenzstand ist GAEB DA XML 3.3. Das bedeutet nicht, dass ältere GAEB-90- oder GAEB-DA-2000-Dateien unbrauchbar sind. Bitte den Architekten um eine andere Version, wenn Dein Programm die gelieferte Datei nicht korrekt einliest oder der Auftraggeber ausdrücklich ein bestimmtes Format verlangt.
Woran erkenne ich Leistungsverzeichnis und Angebot?
Die Phase gibt den wichtigsten Hinweis. .X81 steht für eine Leistungsbeschreibung, .X83 für eine Angebotsaufforderung, .X84 für die Angebotsabgabe, .X86 für die Auftragserteilung und .X89 für die Rechnung. Bei älteren Generationen findest Du entsprechende Endungen mit D oder P.
Warum fehlen Positionen oder Preise?
Meist passt die Austauschphase nicht zum Arbeitsschritt, die Datei wurde mit ungeeigneter Software bearbeitet oder die Positionen sind als Bedarfs- oder Alternativpositionen gekennzeichnet. Importiere die Originaldatei erneut und vergleiche die Struktur mit dem Dokument des Auftraggebers.
Moderne Handwerkersoftware kann viele dieser Prüfungen beim Import unterstützen. Trotzdem solltest Du die fertige Angebotsdatei vor dem Versand immer öffnen und kontrollieren.
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